Visualisierung im Anforderungsmanagement – Teil 6

Visualisierungstechniken für die Kreativitätstechniken im Anforderungsmanagement

Eine sinnvolle und übersichtliche Visualisierung der Ideen erleichtert das Auffinden und Weiterverarbeiten der Beiträge enorm. Deshalb gibt es u.a. folgende weit verbreitete Visualisierungstechniken.

Mind-Mapping

Die Mind-Mapping Methode eignet sich zum strukturierten visualisieren von Ideen. Sie ist weltweit verbreitet und sehr beliebt. Mind-Maps werden für jegliche Art von Planung und Organisation verwendet: Projekte, Veranstaltungen oder strukturieren von Wissen. Dabei wird zentral ein Begriff formuliert, der zur Suche dient. Danach werden um den Suchbegriff weitere verwandte Wörter strahlenförmig notiert.

Wichtige Informationen können farblich oder nummerisch markiert werden. Durch Zweige werden weitere Unterkapitel und Unterbegriffe hinzugefügt. Mind-Mapping ist ein sehr geeignetes Werkzeug, um verschiedene Gedanken und Problemstellungen zu ordnen. Die Anwendung verläuft einfach und schnell.

Beispiel Mind-Map: Wandern
Beispiel Mind-Map: Wandern

Problemlösungsbaum

Ein Lösungsbaum gliedert die Thematik hierarchisch in Äste und Unteräste wie hier gezeigt. Dabei werden alle Aspekte erfasst und in eine logische Form gebracht. So gibt dieser einen klareren Gesamtüberblick als womöglich ein Mind-Map.

Kreativtätsechniken

Um nun das kreative Denken zu fördern und Ideen in Workshops für Anforderungsmanagement zu generieren, werden nun folgende beispielhafte Kreativitätstechniken erläutert.

Brainstorming

Eine der bekanntesten Kreativitätstechniken ist das Brainstorming. Es kommt in vielen Abwandlungen zur Anwendung. Sie funktioniert als klassische Gruppentechnik und aktiviert Synergieeffekte untereinander. Die Ideensucher inspirieren sich während ihrer Einfälle untereinander und greifen Vorschläge anderer Teilnehmer auf. Brainstorming wird oft als ungeordnetes Sammeln von Ideen verstanden,- erhält aber seinen produktiven Charakter erst, wenn bestimmte Regeln eingehalten werden.

Die Grundregeln des Brainstormings sind:

  1. Keine Äußerung von Kritik (Somit soll der Ideenfluss nicht unterbrochen oder jemand in seiner Motivation gebremst werden)
  2. Der Fantasie freien Lauf lassen (Teilnehmer sollen „verrückte“ Ideen produzieren und diese innerlich nicht werten und deshalb „filtern“)
  3. Quantität vor Qualität (Große Ideenfluss erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass gute Ideen enthalten sind)
  4. Anknüpfen an Ideen anderer Teilnehmer (Somit werden andere Ideen aufgenommen und weiter verarbeitet)

Beim Ablauf sollte von Anfang an klar das Problem umrissen sein, damit zielgerichtete Ergebnisse erhalten werden. Eine Gruppenstärke empfiehlt sich von fünf bis sieben Personen, damit jeder zu Wort kommen kann. Ein Vorteil bietet eine interdisziplinäre Zusammensetzung der Teilnehmer, damit es zu einer breiten Streuung der Äußerungen kommt. Nach der Eröffnung der Sitzung wird die Problemstellung erklärt und ein Überblick zu den Regeln gegeben. Danach lässt der Moderator die Ideen „sprudeln“.

Falls es Probleme bei der Einhaltung der Regeln gibt, oder jemand zu viel oder zu wenig spricht, sollte der Moderator lenkend eingreifen. Der Ideenfluss läuft nun in Wellen ab. Nachdem keine weiteren Ideen aufkommen, sollte der Moderator jetzt noch einmal die Teilnehmer anregen. Erst wenn diese Phase auch abgeklungen ist, beendet der Moderator die Runde. Nun geht der Moderator zusammen mit den Teilnehmern das Protokoll durch. Auch jetzt können weitere Ideen geäußert werden. Alle Ergebnisse sollten visuell sichtbar z.B. mit Kärtchen notiert werden. Diese können nun priorisiert, bewertet und verwertet werden.

Kollektives Notizbuch

Das kollektive Notizbuch bietet im Kontrast zu anderen Kreativmethoden eine große zeitliche und räumliche Flexibilität. Diese eignet sich zum Sammeln, Austauschen und Dokumentieren von Ideen. Hierbei wird anfangs mit allen Teilnehmern die Problemstellung erörtert und festgelegt. Danach erhält jeder Teilnehmer ein Notizbuch.

Es wird ein Zeitraum für die Verwendung spezifiziert. Nach Ablauf dieses Zeitraumes werden die Notizbücher getauscht. Danach werden die Ideen getauscht und ergänzt. Es findet aber keine Bewertung der Ideen der Vorgänger statt. Der Austausch sollte unter allen Teilnehmern stattfinden. Diese Methode erfordert wenig Aufwand und ist deshalb auch aufgrund des regen Austausches der Teilnehmer sehr interessant.

Walt-Disney-Methode

Diese Methode ist benannt nach dem berühmten Filmproduzenten Walt-Disney. In dessen Büro sollten drei Stühle gestanden haben, damit er seine Figuren, Filme und sonstige Ideen entwickeln konnte. Weiterhin wird auch behauptet, dass Walt-Disney für jede Rolle sogar einen Raum mit spezieller Ausstattung zur Verfügung hatte. Die Stühle funktionieren nach dem folgenden Prinzip:

  • Der „Träumer“: Produziert Ideen und Visionen, ohne sich über derer Realisierbarkeit Gedanken zu machen
  • Der „Realist“: Denkt ernsthaft und vernünftig. Er geht strukturiert und systematisch vor und sammelt Informationen
  • Der „Kritiker“: Überdenkt alle Ideen. Er wägt alle Punkte ab und trifft Bewertungen und Urteile

Reizwortanalyse

Nach einer Definition der Aufgabenstellung wird das Ziel der nachfolgenden Suche definiert. Danach sollte den Teilnehmer die Zeit gegeben werden sich in die Rolle einzufinden und gedanklich darauf einzustimmen. Die Personen durchschreiten nun im Ideenfindungsprozess jede Rolle. Dies wird solange wiederholt, bis eine zufriedenstellende Lösung erarbeitet wurde.

Als eine Technik der intuitiven Konfrontation gilt die Reizwortanalyse. Hierbei weichen Ideensucher von eingefahrenen Denkmustern ab und im Prinzip arbeitet diese Methode damit, zufällig ausgewählte Wörter als Anregung zur Lösung einer Ideenfindungsaufgabe zu verwenden. Hierbei wird wie folgt vorgegangen: Zuerst werden spontane Einfälle gesammelt (z.B. mit einer Brainstorming Technik) sowie das Ziel der nachfolgenden Suche definiert. Danach bestimmt der Moderator einen Begriff, der mit der Themenstellung in keinem Zusammenhang steht („Reizwort“). Dieses kann völlig zufällig gewählt sein, muss aber ein Substantiv sein. Nun sollte es in der Mitte einer Tafel notiert werden. Im nächsten Punkt sollte nun Assoziationen mit dem Begriff gebildet werden.  Es bietet sich diese Fragestruktur an:

  • Welche Eigenschaft hat xy?
  • Wie funktioniert xy?
  • Was assoziiert man mit xy? Usw.

Nun ersetzt der Moderator das Reizwort und ersetzt dies durch die Tatsächliche Themenstellung. Diese Phase erfordert ein hohes Maß an ausgeprägter Fantasie und Kreativität. Jetzt kann daraus eine Transferlösung erarbeitet werden. Hierbei ein Beispiel eines Süßwarenproduzenten: Er möchte neue Produkte entwickeln. Als erstes Wort steht „Wandern“ in der Mitte.

Wandern Rast, Pause, Bewegung, Kleidung, Natur, Sport

Im zweiten Schritt wird das Wort wandern durch Süßigkeit, wie z.B. Praline ersetzt. Danach wird eine Lösung für das Problem gefunden. Eine Musterlösung wäre: „Pralinen und Süßigkeiten für unterwegs (Wanderausflug?), z.B. mit Schokosoße zum Dippen“.

Eine Variante der Reizwortanalyse wäre die „Visuelle Synektik“. Bei dieser werden Bilder genutzt, um sich gedanklich vom ursprünglichen Problem zu entfernen. Die Vorgehensweise ist also quasi identisch zur Reizwortanalyse funktioniert aber mit Bildern.

Fazit Kreativität im Anforderungsmanagement

Zusammenfassend lässt sich über den Einsatz von Kreativitätstechniken und Workshops folgendes sagen:

Durch gezielte Vorbereitung, dem richtigen „Know-How“ und kompetenter Moderation sind diese das perfekte Mittel, um im Anforderungsmanagement und der darauf folgenden Entwicklung erfolgreich zu werden.

Wie in der vorgegangen Ausarbeitung ersichtlich wurde, ist die Förderung der Kreativität im Anforderungsmanagement ein sehr sinnvolles Unterfangen. Unternehmen, die nach wie vor unsystematisch kreative Lösungen für Ihre Produkte entwickeln, müssen Wettbewerbsnachteile in Kauf nehmen. Der technologische Fortschritt bietet viele Chancen und einen großen Gestaltungsspielraum für neue Produkte und Geschäftsmodelle. Langfristig sollte zusätzlich auch daran gearbeitet werden, ein innovatives und transparentes Betriebsklima zu schaffen.

Sinnvolle Literatur zum Thema Anforderungsmanagement und Kreativität:

 

  • Rupp, C (2014): Requirements-Engineering und -Management. Aus der Praxis von klassisch bis agil. 6. Auflage. Hanser, München.
  • Sternberg, RJ (1999): Handbook of creativity. Cambridge University Press, Cambridge, U.K., New York.
  • Bickmann, R, Wilder, J (2001): Das Neue beginnt im Kopf. Innovation durch Kombination. Dt. Verl.-Anst, Stuttgart, München.
  • Heyde, W (1991): Innovationen in Industrieunternehmen. Prozesse, Entscheidungen und Methoden. Gabler, Wiesbaden.
  • Vahs, D, Brem, A (2012): Innovationsmanagement. Von der Idee zur erfolgreichen Vermarktung. 4. Auflage. Schäffer-Poeschel, Stuttgart.
  • Schlicksupp, H (1993): Kreativ-Workshop. Ideenfindungs-, Problemlösungs- und Innovationskonferenzen planen und veranstalten. 1. Auflage. Vogel, Würzburg.
  • Motivating Creativity in Organizations. Teresa M. Amabile.
  • Stamm, B von (2008): Managing innovation, design and creativity. 2. Auflage. John Wiley & Sons, Chichester, UK, Hoboken, NJ.
  • Sternberg, RJ (1998): In search of the human mind. 2. Auflage. Harcourt Brace College Publishers, Fort Worth.
  • Becker, J (2006): Kreativität in der Werbung. Tectum-Verl., Marburg.
  • Bert R. (1992): Welche Idee siegt. Gablers Magazin, 1992.
  • The Art of Thought. Maria Popova.
  • Brem, A, Brem, S (2013): Kreativität und Innovation im Unternehmen. Methoden und Workshops zur Sammlung und Generierung von Ideen. Schäffer-Poeschel, Stuttgart.
  • Grande, M (2014): 100 Minuten für Anforderungsmanagement. Kompaktes Wissen nicht nur für Projektleiter und Entwickler. 2. Auflage. Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, Wiesbaden.

 

 

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